nach einer längeren Pause möchte ich mich zu den die Kommunale Jugendarbeit betreffenden Themen als ABJ-Vorsitzender, abgestimmt mit der Vorstandschaft, äußern.

Nach der Landtagswahl hat sich die ministerielle Zuständigkeit für Jugendarbeit in Bayern verändert. Die Einheit der Jugendhilfe wurde durch die Übersiedelung der Jugendarbeit vom Kultusministerium in das umbenannte Ministerium hergestellt!

 

bedeutet, dass jetzt mit den Begriff Familie ausgedrückt werden soll, dass Kinder und Jugendliche zur Familie gehören.

 

 

Beim alt

wurden junge Menschen und Jugendarbeit zumindest im Namen früher gar nicht vermutet. Die Frage ob außerschulische Bildung (Jugendarbeit) bei einem Verbleib im Kultusministerium besser angesiedelt wäre ist rein hypothetisch. Die bisherige Kritik der ABJ, dass Jugendarbeit im Kultusministerium als Wurmfortsatz und instrumentalisierte Verlängerung oder als Anhängsel der „Schule“ gesehen wurde bleibt auch nach dem Wechsel bestehen.

 

Die Haltung der ABJ hier an den richtigen Stellen zu intervenieren hat sich mit dieser Umsiedelung nicht geändert. Jetzt, durch die eindeutige Zuordnung zum Sozialministerium also zur Jugendhilfe, lässt sich Jugendarbeit in Zukunft in der ganzen bayerischen Vielfalt der Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen mit den außerschulischen Aspekten stärker und besser präsentieren und auch als stärker eigenständig vertreten.

Eben kein Wurmfortsatz mehr zu sein oder so gesehen zu werden, sondern eigener Teil in einem anderen Ministerium. Neben der klareren Präsentation der Leistungen und Möglichkeiten von Jugendarbeit werden zukünftig noch stärkere Abwehrbewegungen notwendig sein, um einer zunehmend übergriffiger werdenden Art der „Kindertagesbetreuung“ auf kommunaler Ebene entgegenzuwirken.

Jetzt schon findet, vor Ort in unseren Kommunen, eine Vereinnahme der Jugendarbeit für Betreuung statt. Jetzt kommt es darauf an, ob wir den Verlockungen der Hexe bei Hänsel und Gretel widerstehen können, Regeln, Grundhaltungen und inhaltlich definierte Aufgaben der Jugendarbeit aufzugeben und mit wehenden Haaren die „Not“ im Kindertagesbereich oder vor Ort in Einrichtungen oder den Schulen zu lindern.

Die Zukunft wird zeigen, ob hier nicht dem innerministeriellen Ruf gefolgt werden muss, Kinder- und Jugendbetreuungsarbeit von Hauptamtlichen, Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen als Teil der Kinder- und Jugendarbeit in Bayern zu leisten.

Bei uns in der Jugendarbeit sind die ausgebildeten oder gut geschulten Menschen, die in der Mittags-, Ganztages-, Kindertages-, Hausaufgabenbetreuung oder anderer Betreuungsformen fehlen.

Nach einem Gespräch der ABJ mit dem Präsidenten schilderte er uns sehr zuversichtlich, dass die Jugendarbeit ein eigenes Referat im Ministerium bekommen wird, in dem drei bis vier Menschen für „uns“ zuständig sein werden. Wir werden nicht dem BLJA zugeordnet! Herr Rißmann verbleibt im Kultusministerium. Der BJR soll weiterhin die Aufgaben nach §85 SGB VIII als überörtlicher Träger der Jugendarbeit, für die Jugendarbeit die Funktion eines Teillandesjugendamtes behalten.

Die personellen und finanziellen Mittel verbleiben so wie geplant, eher ließ sich bei unserem Gespräch ein Optimismus verspüren, dass es da auf ministerieller Seite Verständnis für die stärkeren monetären Erwartungen beim BJR gibt. Momentan wird verhandelt. Matthias Fack beschrieb die Verhandlungen als sehr gut.

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Ein weiterer Punkt des Gesprächs mit dem Präsidenten war die Überarbeitung des „blauen Papiers“. Hier entstand bei mir der Eindruck, dass dies der Handlungsleitfaden werden soll, wie der BJR und damit auch ein Teil der Jugendarbeit in Bayern zukünftig arbeiten sollen.

Das „blaue Papier“ soll in die Höhe einer Richtlinie, festgelegten Inhaltsbeschreibung oder Richtschnur und damit Sicherheitsleine und Bestandsschutz für den BJR werden. Es soll das Standardpapier für Tätigkeiten der ganzen Jugendarbeit werden. Es ist bis heute aber „nur“ die Beschreibung eines Leistungskataloges des BJR gegenüber den Öffentlichen Trägern. Einer Überfrachtung und Aufblähung ist hier Tür und Tor geöffnet.

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Ein weiteres Papier wurde vorgestellt. Nach kleineren Zündaussetzern und Startschwierigkeiten im März 2013 wurde jetzt ein Papierentwurf „Empfehlungen zur Übertragung von Aufgaben der Jugendarbeit auf die Kreis- und Stadtjugendringe sowie deren sachgerechte Ausstattung“ vorgestellt.

Dieses beinhaltet die Beschreibung von bestehenden Aufgabenübertragungen und/oder Personalüberstellungen an die Ringe. Hier wird dem bisher, auch in den Qualitätsstandards der Koja 2011 nicht genau beschriebenen Ist-Situation, vor Ort in den 96 Kommunen in Bayern endlich differenziert Rechnung getragen.

Bisher waren alle Verlautbarungen nur die Äußerungen des BJR als Verbände- und Ringe-zusammenschlüsse. Jetzt soll daraus eine Empfehlung des Teillandesjugendamtes werden. Die ABJ unterstützt dieses Papier in der jetzt vorliegenden Form. Eine Frage der näheren Zukunft wird sein, ob wider jedes status quo vor Ort, die inflationäre Handhabung mit dem Begriff „Kommunale/r Jugendpfleger/In“ in Zukunft eher sparsamer umgegangen werden muss.

Wenn die Gesamt- und Planungsverantwortung beim Öffentlichen Träger liegt (SGB VIII) und nicht delegierbar ist; in der internen Aufgabenverteilung und den Dienstanweisungen in den Kommunen hat die Kommunale Jugendarbeit die Gesamtheit der Jugendarbeit im Blick und die Verantwortung in der Kommune für Jugendarbeit.

Falls dies nach der Gesetzeslage zutreffen soll, stellen sich jetzt einige wichtige Fragen:

  1. Muss der AGSG Standard nach mindestens einem/einer Jugendpfleger/-in ausschließlich im Amt gewährleistet sein?
  2. Macht eine Komplettdelegation an Ringe Sinn?
  3. Kann Kommunale Jugendarbeit überhaupt an einen Freien Träger delegiert werden, oder werden nur Teilaufgaben von Jugendarbeit übertragen?
  4. Braucht es dann überhaupt Kommunale Jugendpfleger/-innen bei Kreis- und Stadtjugendringen oder reichen dann Geschäftsführer/-innen mit pädagogischem Blick.
  5. Wird Kommunaler Jugendpfleger/-in ein Alleinstellungsmerkmal ausschließlich im Amt?

Die nächste Zeit sollten wir über diese Fragestellungen diskutieren.

Ein Thema des ABJ Teil der nächsten Landestagung im Juli 2014 wird die Befassung mit diesen Themen sein. Es bieten sich mehrere Möglichkeiten der Beteiligung oder Stellungnahme an:

  1. Zum Thema im Konzept-AK machen (Ende November 2013).
  2. Diskussion am Sprecher/-innentreffen (Januar 2014).
  3. Gespräche bei den Bezirkstreffen der Kommunalen Jugendarbeit jetzt oder im Frühjahr 2014
  4. Die Sprecher/-innen mit eigenen Stellungnahmen oder Beiträgen informieren.
  5. Direkt an die ABJ-Vorstandschaft eine Rückmeldung zu dem oben aufgeführten Text.

Auch wenn durch Veränderungen der Zuständigkeit der unmittelbare Veränderungsbedarf vor Ort nicht gesehen wir und bei einigen Kolleg/-innen eine Haltung vorherrscht „was juckt es den Baum, wenn die Sau sich reibt?“, bitte ich Euch mir und der ABJ doch Eure persönliche oder fachliche Einschätzung bis in 14 Tagen zurückzumelden.

 

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit

Kollegialer Gruß Jörg

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